Lila
Lilli
Lilli
liebte Lila. Das war Ihrer Mutter eigentlich schon lange
bewusst. Aber, dass es so weit kommen würde,
hätte selbst sie nicht gedacht.
Lilli
war ein aufgewecktes Kind, dazu fröhlich und aufgeschlossen.
Aber mit ihren Dreieinhalb Jahren konnte ihren Willen
sehr gut durchsetzen und Ihr Dickkopf war bereits in
der ganzen Familie bis hin zum letzten Großonkel
durchgedrungen.
Lillis
Liebe für Lila fing schon viel früher an,
als ihre Mama dachte. Die war der Meinung, dass die
uns wohl bekannte Lila Kuh daran Schuld hatte. Mama
hatte Lilli ganze Zeit erzählt, dass die Lila Kuh
eine Erfindung der Werbung sei und gar nicht wirklich
existierte.
Leider
hatte sie die Rechnung ohne die Werbemanager gemacht.
Und eines Tages stand die Lila Kuh vor dem Einkaufszentrum
in ihrem Städtchen und war alles andere als eine
Fiktion. Lilli war äusserst entzückt über
die Kuh und musste sie von ganz nah betrachten.
Die Kuh
war beeindruckt von diesem tollkühnen, blondgelockten
Wesen, was sich kuzerhand von der Mutter losriss und
zu ihr herüberstürmte. Die Absperrung wurde
untertaucht, der Promotion-Typ näckisch angetäuscht
und augetrickst um dann unter der Kuh hindurch hinter
ihr zu lauschen. Lilli wusste eine Kuh, die echt ist,
muß atmen und nicht nur muhen – dass kann ja jede
andere auch. Die Kuh atmete. Und wie. Sie schnaubte
Lilli voll ins Gesicht. Sie war froh diese kleinen Wesen
Mal von Dichten zu sehen. Ihr ganzes Leben hatte sie
Kinder nur aus der Ferne beobachtet, sie hatten wohl
Angst vor ihr , vielleicht weil sie zu klein waren.
Dabei würde eine Mama-Kuh niemals einem Baby was
tun, das war doch Ehrensache. Bei den Papas war man
sich nie so sicher.
Und heute
endlich durfte sie ein winziges Menschenwesen beschnüffeln.
Dabei hatte sie heute morgen schon gedacht, alles wäre
zu Ende: sie wurde nämlich heute morgen der heulenden
Oma-Bäuerin, deren Lieblingskuh war, entrissen
und auf einen Hänger geschleift. Dann wurde sie
von fremden Leuten wieder abgeladen, angebunden und
ihr Fell wurde irgendwie bearbeitet. Es stank so schrecklich,
dass Lilo am Liebsten wegelaufen wäre. Aber irgendwann
ging das auch vorbei, und da sie die liebste Kuh der
Welt war - wie die Oma immer sagte - konnte sie auch
das erdulden. Dann zerrte die Leute sie wieder auf den
Anhänger und die Fahrt ging erneut los. Lilo dachte
es wird ihre letzte Reise, obwohl es ja auch ihre erste
war. Es sei denn man zählte die Ausflüge zu
Fuß auch mit. Nämlich davon hatte sie viele
unternommen. Meistens Nachts, denn die Oma machte sich
zu viele Sorgen, wenn ihre Lieblingskuh am Tage verschwand.
So machte sie einfach Nachts ihre Spaziergänge
und hier wird auch nicht verraten, wie sie den Stall
öffnete.
Sie atmete
also eine große Brise des Duftes von der kleinen
Lilli ein und freute sich über den Wohlgeruch des
Kindes. Sie war so aufgeregt, dass sie mit den Nase
ganz dicht ran ging und die Wange der Kleinen berührte.
Oh je. Jeder, der schon mal eine Kuhnase angefasst hat,
weiss, dass diese immer ziemlich schleimig und sehr
feucht sind. Selbst Kuhnasenkenner - wie ich - finden
das Gefühl von ihnen berührt zu werden, nicht
so toll. Ganz anders bei Lilli. Sie war sehr beglückt.
Die Kuh atmete nicht nur, sondern sie hatte auch noch
Schnupfen. Das war ja wohl genug Lebensbeweis. Selbst
für ihre Mutter.
Der ganze
Promotionstand war in heller Aufregung, aber der eigens
engagierte Kuhbetreuer, war mal grad “für kleine
Kuh-Betreuer” – sprich auf’m Topf - und so redete man
nun beruhigend auf die Kuh Lilo und das Mädchen
Lilli ein. Die beiden verstanden sich aber viel zu prächtig,
als dass sie daran dachten, ihre wortlose Unterhaltung
zu beenden. Irgendwann reichte es Mama. Sie tauchte
wie zuvor ihre Tochter unter der Absperrung unterdurch,
quetschte sich an dem Kuh-Hintern vorbei und griff ihre
Tochter. Die Menschentraube, die sich gebildet hatte,
applaudierte. Kuh Lilo und Kind Lilli schauten sich
noch einmal in die Augen und Lilli winkte ihrer neuen
Freundin liebevoll zu.
“Mama,
die Kuh lebt. Du hast gelogen. Lila Kühe gibt es
wohl.” Sie schaute ihre Mutter fest in die Augen und
lächelte wissend. Die Kuh hatte ja sogar Schnupfen
und nicht nur geatmet, dass wollte sie aber nur im Notfall
erzählen. Denn man erzählt ja nicht überall
rum, wenn ein Freund krank ist. Die Mutter fing an darüber
zu lamentieren, dass irgendwelche Werbefuzzies sich
was neues ausgedacht hatten, und tatsächlich ein
armes Tier für ihren Wahn herhalten müssen.
Man sollte den Tierschutz einschalten. Bla. Bla. Bla.
Lilli hörte nicht mehr zu. Das wissende Lächeln
verschwand den ganzen Tag nicht mehr von Ihrem Gesicht.
Und sie verlor kein Wort mehr über die Kuh.
Statt
dessen war ihr Leben von einem Lila geschwängert,
welches seines gleichen sucht.
Wie gesagt,
das war Mamas Version. Lilli hatte mal versucht, ihr
zu erklären, was es mit dem Lila auf sich hat.
Aber Mama hatte genervt abgewinkt. Einem dreijährigen
Kind zu zuhören, wie es den Einfluß einer
Farbe auf die Lebensqualität erläutert, war
selbst ihr zu müßig.
So hatte
Lilli ihr Geheimnis für sich behalten dürfen.
Aber Euch kann ich es ja erzählen.
Lilli
liebte Lila. Denn Lila erleichtert das Leben.
Mit einem
Lila-Lätzchen wird jeder Brei zur Lila-Lieblingsspeise
vorausgesetzt man beutzt den Lila-Löffel. Selbst
das schreckliche Sonntags-Kleid wird mit Lila-Lackschuhen
erträglich. Man kann prima Lila-Lernen oder Lila-Lesen
unter einer Lila-Lampe. Der verhasste Pauker wird zum
Lila-Lieblings-Lehrer.
Mit Lila-Lebensfreude
wird selbst ein Schurke zum Lila-Lump. Versuch einfach
selbst einmal!
Und
du wirst sehen:
Irgendwann wird alles Lila!
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